
Die wirtschaftliche Stimmung im ostwestfälischen Mittelstand bleibt angespannt. Das zeigt die aktuelle Unternehmensbefragung der Volksbank in Ostwestfalen. An der Online-Befragung nahmen 311 Unternehmen teil. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 23. Februar und dem 20. März 2026. Die Volksbank führt diese Untersuchung seit 1994 bei mittelständischen Unternehmen in ihrem Geschäftsgebiet durch.
Die Ergebnisse wurden im Regionalzentrum der Volksbank in Ostwestfalen in Herford vorgestellt. Insgesamt fällt das Bild verhalten aus, allerdings nicht durchgehend pessimistisch. Nach Angaben der Bank fiel der Befragungszeitraum in eine Phase, in der sich internationale Unsicherheiten, die Krise in der Straße von Hormus und steigende Ölpreise bereits bemerkbar machten. Besonders robust zeigt sich in der Auswertung das Bau- und Ausbaugewerbe. Der Handel weist dagegen das schwächste Stimmungsbild auf.
Aktuelle Lage bleibt weitgehend stabil
Bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage zeigt sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig Bewegung. Neun Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage als sehr gut, 54 Prozent als gut. 29 Prozent sprechen von einer eher schlechten Lage, fünf Prozent von einer schlechten. Im Vorjahr hatten acht Prozent die Lage als sehr gut und 56 Prozent als gut bewertet.
Etwas positiver fällt der Blick auf die kommenden sechs Monate aus. Sechs Prozent der Unternehmen rechnen mit einer starken Verbesserung der Geschäftslage, 33 Prozent mit einer leichten Verbesserung. 40 Prozent erwarten keine Veränderung. Eine leichte Verschlechterung erwarten 15 Prozent, drei Prozent rechnen mit einer starken Verschlechterung. Damit ist die Erwartungshaltung vorsichtig, aber nicht durchgehend negativ.
Kosten bleiben das beherrschende Thema
Der Kostendruck ist weiterhin hoch. 78 Prozent der Unternehmen berichten, dass ihre Kosten in den vergangenen sechs Monaten gestiegen sind. 18 Prozent sehen eine konstante Entwicklung, drei Prozent melden gesunkene Kosten. Für die kommenden sechs Monate erwarten 70 Prozent weiter steigende Kosten. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 60 Prozent.
Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Verkaufspreisen nieder. 38 Prozent der Unternehmen haben ihre Preise in den zurückliegenden sechs Monaten erhöht, 50 Prozent hielten sie konstant, neun Prozent senkten sie. Für die kommenden sechs Monate rechnen 46 Prozent mit steigenden Verkaufspreisen. 43 Prozent erwarten unveränderte Preise, sechs Prozent gehen von sinkenden Preisen aus.
Branchen entwickeln sich unterschiedlich
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Im Bau- und Ausbaugewerbe ist die Lage vergleichsweise besser. Dort erwarten 53 Prozent steigende Absatzpreise, im Vorjahr waren es 40 Prozent. Zudem berichten 31 Prozent von gestiegenen Investitionsausgaben, nach 15 Prozent im Jahr zuvor.
Im verarbeitenden Gewerbe ist der Druck stärker sichtbar. 38 Prozent der befragten Unternehmen aus diesem Bereich haben ihren Personalbestand reduziert, im Vorjahr waren es 24 Prozent. 59 Prozent nennen Energiekosten als Problemfeld. Auch im Dienstleistungsgewerbe bleibt der Kostendruck hoch: 73 Prozent erwarten steigende Kosten. Im Handel rechnen sogar 80 Prozent mit steigenden Kosten, 55 Prozent erwarten steigende Absatzpreise.
Künstliche Intelligenz kommt im Mittelstand an
Ein Schwerpunkt der aktuellen Befragung liegt auf dem Einsatz Künstlicher Intelligenz. 37 Prozent der Unternehmen geben an, bereits KI zu nutzen. 59 Prozent setzen sie derzeit nicht ein, vier Prozent machten dazu keine Angabe. Am häufigsten wird KI im Marketing eingesetzt. 57 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen, nennen diesen Bereich. Es folgen Datenanalyse mit 46 Prozent, Prozessautomatisierung mit 32 Prozent, Kundenservice mit 29 Prozent und IT-Sicherheit mit 28 Prozent.
Die Hürden bleiben allerdings hoch. Beim Einsatz von KI nennen 46 Prozent Datenschutz und Datensicherheit als Herausforderung. Jeweils 40 Prozent verweisen auf regulatorische Fragen und fehlende Kompetenzen. 34 Prozent sehen fehlende personelle Kapazitäten als Problem. Bei den Unternehmen, die KI nicht einsetzen, ist der meistgenannte Grund ein fehlender Mehrwert für das eigene Unternehmen. Dies nennen 50 Prozent. Ebenfalls häufig genannt werden fehlende Kompetenzen und fehlende Kapazitäten mit jeweils 34 Prozent.
Vorsichtige Zuversicht trotz Belastungen
Die Unternehmensbefragung zeichnet damit ein gemischtes Bild der regionalen Wirtschaft. Die Mehrheit bewertet die aktuelle Lage weiterhin als gut oder sehr gut, gleichzeitig bleiben Kosten, Bürokratie und Energiepreise zentrale Belastungsfaktoren. Die Erwartungen an die kommenden Monate fallen etwas freundlicher aus als die aktuelle Stimmung. Dass fast jedes zweite Unternehmen Investitionen plant, spricht für eine gewisse Handlungsbereitschaft im Mittelstand.
Künstliche Intelligenz wird dabei zu einem zusätzlichen Zukunftsthema. Ein gutes Drittel der befragten Unternehmen nutzt die Technologie bereits, vor allem für Marketing, Datenanalyse und automatisierte Prozesse. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass viele Betriebe noch am Anfang stehen. Datenschutz, Regulierung und fehlendes internes Wissen bremsen die Umsetzung. Die Umfrage macht deutlich: Der ostwestfälische Mittelstand bleibt unter Druck, sucht aber zugleich nach Wegen, produktiver und zukunftsfähiger zu werden.
Hier finden Sie die komplette Unternehmensbefragung der Volksbank in Ostwestfalen 2025/2026
Autor:
Volksbank in Ostwestfalen – Bild © :Volksbank in Ostwestfalen