Die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt – Fehltage wegen Psyche nehmen zu

Arbeitsunfall

Die Zahl der Arbeitsunfälle hat in Zeiten von Corona wie erwartet weiter abgenommen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fälle, in denen Arbeitnehmer wegen psychischer Gründe längerfristig ausfallen oder vorzeitig in Rente gehen.

828.588 Arbeitsunfälle wurden im Jahr 2020 in Deutschland erfasst, 12,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 508 davon waren tödlich, 118 weniger als 2019. Damit lag die allgemeine Unfallquote pro 1.000 Mitarbeitenden für 2020 bei 19,4 Prozent. Diese Zahlen gehen aus dem jährlichen Bericht der Bundesregierung zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz hervor. Die Pandemie mit einem hohen Anteil Homeoffice verstärkte einen Trend nur, schon im Vergleich der Vorjahre 2019 zu 2018 war die Zahl der Arbeitsunfälle um 12.000 gesunken.

Wegeunfall im Home-Office

Wegeunfälle gab es aber auch im Homeoffice. Wobei sich die Sozialgerichte in der Bewertung offensichtlich noch nicht einig sind. Während das Landessozialgericht den Weg durch den heimischen Flur als „unversicherte Vorbereitungshandlung“ bewertet hatte, entschied das Bundesozialgericht, dass ein Sturz zwischen dem Schlafzimmer und dem heimischen Schreibtisch durch die gesetzliche Unfallversicherung gedeckt ist.

Mehr Berufskranke

Gestiegen ist in 2020 auch die Zahl der Berufskranken. Die Zahl der Verdachtsanzeigen kletterte um 30,9 Prozent, nicht zuletzt von Menschen, die einer Infektionsgefahr ausgesetzt waren. Die Zahl der anerkannten Fälle stieg auf 40.000, doppelt so viele wie in 2019. Die Zahl der Neuverrentungen wegen Berufskrankheiten stieg um 400 auf 5.194 Fälle.

17 Krankheitstage Durchschnitt

Der Bericht der Bundesregierung weist für 2020 durchschnittlich 17 Krankheitstage je Arbeitnehmer. Das summiere sich auf volkswirtschaftliche Produktionsausfälle in Höhe von 87 Mrd. Euro, 3,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Ursache für die Arbeitsausfälle waren am häufigsten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Sie machten rund 23 Prozent aller Fehltage aus. Auf Rang zwei folgen psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen mit 17 Prozent. Bezogen auf den vorzeitigen Renteneintritt sind psychische Erkrankungen zu 41,5 Prozent die häufigste Ursache.

Psychischer Druck steigt

Der Gesundheitsreport der TKK sieht das Verhältnis etwas anders: Demzufolge sind psychische Erkrankungen die häufigste Ausfallursache. Zumindest bezogen auf die Anzahl der Fehltage. Auch die TKK sieht seit Jahre eine kontinuierlich steigende Zahl psychischer Probleme. Dafür verantwortlich sei auch die Pandemie mit Homeoffice und Homeschooling, neuen Arbeitsformen oder der Angst vor Ansteckung.

 


Autor:
Volksbank Herford-Mindener Land – Bild © vchalup – adobe stock

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