Sechs Trends, die den Bau bis 2035 prägen werden

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Im Hintergrund ist eine Baustelle. Im Vodergrund steht ein Modell eines futuristischen Hauses mit Bauhelm auf einem Tisch.

Die Bauwirtschaft steht vor einem Jahrzehnt tiefgreifender Veränderungen. Eine aktuelle Auswertung von BauInfoConsult skizziert, wie Demografie, Technologie, Ökologie und Politik die Bautätigkeit, Bauprozesse und Geschäftsmodelle bis 2035 verschieben – und wo Betriebe heute ansetzen sollten. Dabei geht es nicht um einzelne Moden, sondern um langfristige Kräfte, die Planung, Ausführung und Marktrollen messbar verändern.

Digitalisierung und KI verändern die Abläufe – BIM wird zur Integrationsschicht

Digitale Werkzeuge entwickeln sich von Insellösungen zu durchgängigen Prozessketten: Planen, Bauen und Betreiben wachsen über Datenmodelle zusammen. Building Information Modeling fungiert als Integrationsschicht, KI unterstützt Ausschreibung, Terminierung, Qualitätskontrolle und Logistik. Studien zeigen Nutzenpotenziale in Kosten, Zeit und Zusammenarbeit – zugleich hemmen fehlende Standards, Qualifizierung und Akzeptanz den breiten Einsatz. Betriebe, die Datenflüsse systematisch digitalisieren, sichern Transparenz und Resilienz ihrer Projekte.

Industrialisierung des Bauens: seriell, modular, vorgefertigt

Vor dem Hintergrund knapper Kapazitäten und Kostendruck gewinnt industrielles Bauen an Gewicht. Serielle Verfahren, Vorfertigung und modulare Systeme verkürzen Bauzeiten, stabilisieren Qualität und erleichtern Sanierung im Bestand. Die Studie sieht bis 2035 mehr standardisierte, zugleich anpassbare Systeme – vom seriellen Sanieren bis zu hybriden Vorfertigungsgraden auf der Baustelle.

Kreislaufwirtschaft und Klimaziele verlagern den Schwerpunkt in den Bestand

Die gesetzlich verankerten Klimapfade verstärken die Nachfrage nach Energieeffizienz, materialleichtem Bauen und Zirkularität. Zentral wird die Sanierung des Bestands – auch, weil Neubauzyklen konjunkturell schwächeln. Der Befund ist klar: Mit einer energetischen Sanierungsquote von zuletzt rund 0,69 % bleibt Deutschland deutlich unter dem für 2030 notwendigen Korridor von etwa 2 % pro Jahr. Ohne Beschleunigung drohen Zielverfehlungen und hohe Folgekosten.

Demografie verschärft den Fachkräftedruck – Prozesse müssen produktiver werden

Eine alternde Gesellschaft treibt barrierefreies und quartiersbezogenes Bauen, gleichzeitig dünnt sie die Bauarbeitsmärkte aus. Einmal verlorene Kapazitäten sind schwer zurückzugewinnen; deshalb steigen die Anforderungen an Produktivität, Qualifizierung und attraktive Arbeitsbedingungen. Digitalisierung, Vorfertigung und bessere Arbeitsorganisation sind nicht Kür, sondern Voraussetzung, um Nachfrage wieder bedienen zu können.

Ökonomischer Gegenwind heute, moderates Wachstum morgen – und ein Fokus auf Effizienz

Kurzfristig bleibt die Lage heterogen: Während Bestandsmaßnahmen stützen, hat der Wohnungsneubau seine Talsohle erreicht. Branchenverbände rechnen ab 2025/2026 mit einer vorsichtigen Belebung, die aber nicht automatisch die Produktionslücke schließt. Für Betriebe heißt das: Effizienzreserven heben, Liquidität sichern, Angebotsportfolios auf Sanierung und Infrastruktur ausbalancieren.

Regulatorik und Bürokratieabbau als Standortfaktor

Die Branche verortet in komplexen Genehmigungen und heterogenen ESG-Vorgaben zentrale Bremsklötze. Quer durch Studien fordern Unternehmen schnellere Verfahren, klare Leitplanken und eine digital leistungsfähige Verwaltung. Wo Behörden Entscheidungsspielräume nutzen und Prozesse entflechten, beschleunigt sich der Markthochlauf – insbesondere bei Sanierung und Infrastruktur.

Was das bis 2035 praktisch bedeutet

Der Trendkompass zeigt drei Querschnittsaufgaben. Erstens: Datenfähig werden – von der digitalen Mengenermittlung bis zur vernetzten Baustellenlogistik. Zweitens: industrialisiert denken – standardisierte Module und serielle Sanierung als zweites Standbein ausbauen. Drittens: Kreislauf und Energieeffizienz konsequent in Technik, Ausschreibung und Einkauf abbilden. Die konjunkturelle Perspektive bleibt gedämpft, doch wer früh auf Produktivität, Standards und partnerschaftliche Modelle setzt, wird vom nächsten Aufschwung überproportional profitieren.

 


Autor:
Volksbank in Ostwestfalen – Bild © : InfiniteFlow – adobe stock

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