Digitale Sichtbarkeit ist Pflicht

Thomas Dickenbrok

Nach vielen Monaten des Lockdowns ist die Unsicherheit beim Einzelhandel groß. Ist ein Laden künftig nur noch erfolgreich zu führen, wenn es gleichzeitig einen eigenen Onlineshop gibt? „Nicht unbedingt“, sagt Thomas Dickenbrok, Digitalcoach des Handelsverbands Ostwestfalen-Lippe e.V., „aber jedes Geschäft muss selbst für seine digitale Sichtbarkeit sorgen.“

Was ist digitale Sichtbarkeit? Thomas Dickenbrok: „Wessen Geschäft heute noch nicht, falsch oder unvollständig auf Google gefunden wird, der ist nicht.“ Deshalb komme der Präsenz beim Suchmaschinen-Marktführer die höchste Bedeutung zu. Die Plattform biete kostenlose Business-Einträge, die man nur anlegen oder optimieren müsse, wenn sie schon automatisch angelegt wurden. Je mehr Infos über Produkte, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten darin zu finden seien, desto lieber werde Google das Profil Suchenden anzeigen.

Google-Profil ist sehr wichtig

Innerhalb der Stadtgrenzen reiche das schon fast aus, außerhalb werde man Suchende nur mit Online-Anzeigen oder attraktiven Inhalten auf der eigenen Homepage erreichen. Dickenbrok: „Google wertet jede Website aus, die sie mit Robotern durchsuchen kann. Dabei zählt, wie viel Wissenswertes zu speziellen Themen in einer Homepage steht. Findet Google im nahen Umfeld keinen Spezialisten, der Antworten auf die Suchanfrage des Nutzers zu bieten hat, wird es einen im weiteren Umfeld anzeigen. Darüber hinaus könne man bei Google Anzeigen erwerben, die nur angezeigt werden, wenn ein Nutzer gebuchte Suchworte eingebe.

Materie ist kein Hexenwerk

Die Zusammenhänge seien komplex aber kein Hexenwerk. Dickenbrok: „Wer Zeit und Lust hat, kann sich dank vieler Online-Tutorials gut selbst in die einzelnen Themen einarbeiten, vieles auch selbst umsetzen.“ Andere sollten sich eine Werbeagentur in der Region suchen, die von dem Thema Suchmaschinenoptimierung Ahnung hat. Bei der Auswahl hilft der Digitalcoach, oft gäben aber auch die Handelskollegen vor Ort gerne Rat.

Kontakte zu Kunden halten

Bei dem Thema solle die Digitalisierung der Kundenkommunikation beginnen, aber nicht enden. Dickenbrok: „Wir empfehlen jedem Groß- und Einzelhändler, beständig engen Kontakt zu seinen Stammkunden zu halten.“ In Zeiten von Lockdown könne das gut über E-Mails funktionieren. Die wenigsten Kunden fühlten sich belästigt, wenn sie kurze Infos zum Beispiel über das Eintreffen einer neuen Kollektion ihres Lieblingslabels erhalten.

Datenschutz nicht vergessen

Im Gegenteil. „Solche Impulse sind sehr willkommen, weil man ja auch nicht immer auf dem Schirm hat, mal wieder neue Schuhe oder neue Kleidung zu kaufen.“ Beachten müssten die Händler nur den Datenschutz: „Holen Sie beim Abfragen der Kontaktdaten ihrer Stammkunden gleich eine Einwilligung zur Ansprache per E-Mail ein und heften sie diese gut ab.“ Aber auch das wüssten erfahrene Agenturen. Die könnten mit wenigen Projekten die Digitalisierung der Kundenkommunikation in Schwung bringen. Schwellenangst sei nicht berechtigt, in der Regel sei das erste Gespräch kostenlos. Aber: „Digitalisierung kann nur gelingen, wenn die Entscheider dahinterstehen“, so Dickenbrok. Deshalb sei das Thema Chefsache und gerade am Anfang nicht einfach delegierbar.


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Unternehmen OWL – Bild © Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e.V.